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Besondere Schwerpunkte

Das Fachgebiet der Anästhesiologie gründet sich auf den vier Säulen Anästhesie (= Narkose), Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie. Die Hauptaufgabe unseres Fachgebietes liegt in der Vermeidung oder Behandlung von Schmerzen (nach Verletzungen, bei schmerzhaften Eingriffen, Therapie chronischer Schmerzen) sowie in der Erhaltung bzw. Wiederherstellung der lebenswichtigen Organfunktionen. Damit gehört diese Tätigkeit zu den ältesten Gewerben der Welt, denn seit es Menschen gibt, werden auch Versuche unternommen, Schmerzen zu behandeln. Dennoch hat sich die Anästhesiologie erst in der jüngeren Medizingeschichte als eigenständige Disziplin mit festgelegten Qualifikationskriterien sowohl für das ärztliche als auch für das pflegerische Personal etabliert (Gründung der Deutschen Gesellschaft für Anästhesie am 10. April 1953 im Deutschen Museum in München).


Narkose

Die Aufgabe des Anästhesisten bei operativen Eingriffen liegt in der Ausschaltung der Schmerzempfindung und schmerzbedingter Reflexmechanismen durch Unterbrechung der Nervenleitung vom Ort der Schmerzentstehung bis hin zur Bewußtwerdung des Schmerzes in der Großhirnrinde. Hierzu stehen prinzipiell zwei Möglichkeiten der Betäubung zur Verfügung:

Allgemeinanästhesie (Vollnarkose):

Im Rahmen der Vollnarkose werden das Bewußtsein und die Schmerzempfindung durch die Verabreichung von Medikamenten über die Blutbahn und/oder über die Atemluft ausgeschaltet. In der Regel werden hierzu mehrere verschiedene Medikamentengruppen verwendet, die zum einen Schlaf erzeugen (Hypnotika), zum anderen den Schmerz unterdrücken (Analgetika) und ggf. zum dritten eine Muskelerschlaffung herbeiführen (Muskelrelaxanzien). Der Vorteil dieser sog. balancierten Anästhesie liegt darin, daß durch die Kombination der unterschiedlichen Medikamente die erforderlichen Narkoseziele effektiv bei geringerer Nebenwirkungsrate erreicht werden, als wenn dies mit einer einzelnen Substanz – aber notwendigerweise in deutlich höherer Dosierung – erfolgen würde.

Regionalanästhesie (Teilnarkose):

Die verschiedenen Techniken der Teilnarkose führen zu einer Unterbrechung der Nervenleitfähigkeit im Bereich des Rückenmarks (zentrales Nervensystem) oder der peripheren Nerven bzw. Nervengeflechte. Der Schmerzreiz wird in der Folge über einen begrenzten Zeitraum nicht mehr vom Ort seiner Entstehung bis zum Gehirn weitergeleitet. Es besteht auch die Möglichkeit, diese Verfahren mit Hilfe von Kathetern durchzuführen, so daß nicht nur während des operativen Eingriffes alleine, sondern auch noch über Tage nach der Operation hierdurch eine effektive Schmerzbehandlung durchgeführt werden kann.

Neben der Schmerzunterdrückung liegt die Hauptaufgabe des Anästhesisten während des Eingriffs in der Sicherung der lebenswichtigen Organfunktionen. Dies geschieht durch eine lückenlose Überwachung mit Hilfe moderner Monitore, die dem zuständigen Arzt wichtige Informationen vor allem über die Herz-/Kreislauf- und (Be-)Atmgunsfunktionen geben. Im Rahmen einer Vollnarkose wird der Patient kontrolliert mit Hilfe eines Narkosegerätes beatmet. Dabei wird die Beatmung kontinuierlich überwacht und den jeweiligen Erfordernissen angepaßt.

Eine wichtige Funktion der Anästhesie liegt auch in der Schaffung von optimalen Bedingungen für den Operateur. So gelingen beispielsweise größere Baucheingriffe erst durch die komplette Unterdrückung der Muskelspannung, die aber wiederum eine kontrollierte Beatmung erforderlich macht.

Schließlich ist es auch notwendig, den Organismus vor schädigenden Auswirkungen der Operation (z.B. Blutverlust) und vor anderen Streßfaktoren zu schützen. Bei augewählten planbaren Operationen besteht die Möglichkeit, einige Zeit vor dem Operationstermin patienteneigenes Blut abzunehmen, das dann bei einem ausgedehnteren Blutverlust wieder zurückgegeben werden kann. Außerdem erlaubt der sog. Cell-Saver, während der Operation und einige Zeit danach Wundblut zu sammeln, zu waschen und wieder zurückzutransfundieren. Durch diese Maßnahmen wird das heutzutage ohnehin schon niedrige Risiko einer Infektionsübertragung durch Fremdblutgabe (HIV, Hepatitis u.a.) noch weiter vermindert.

Intensivmedizin

Auf die Intensivstation werden Patienten aufgenommen, deren Zustand lebensbedrohlich ist oder bald lebensbedrohlich werden könnte. Dies betrifft in unserem Fachgebiet vor allem Patienten nach ausgedehnteren operativen Eingriffen, insbesondere bei zusätzlich bestehenden Organfuktionsstörungen (z.B. Herzschwäche, Asthma u.a.), sowie Schwerverletzte. Häufige Krankheitsbilder sind folgende: schwere Allgemeininfektionen (Sepsis), Versagen mehrerer Organfunktionen (multiples Organdysfunktionssyndrom = MODS), verschiedene Formen von Schockzuständen, Hirnblutungen, Schädel-Hirn-Verletzungen, schwere Verbrennungen, Polytrauma (lebensbedrohliche Mehrfachverletzungen von Körperregionen und Organsystemen).

Der hohe Überwachungs- und Behandlungsaufwand erfordert eine aufwendige bauliche und gerätetechnische Ausstattung der Intensivstation. Außerdem kümmern sich um die Patienten rund um die Uhr Ärzte und Pflegekräfte, die in der Erkennung und Behandlung von lebensbedrohlichen Zuständen speziell ausgebildet sind. Neben der hochqualifizierten fachlichen Betreuung wird aber auch sehr großer Wert auf die menschliche Zuwendung zum Patienten und den mitleidenden Angehörigen gelegt, die sich jeweils in einer als sehr bedrohlich empfundenen Ausnahmesituation befinden. Auf Wunsch des Patienten wird auch die seelsorgerische Betreuung durch Geistliche der verschiedenen Konfessionen mit eingebunden.

Die intensive Überwachung der Patienten erfoglt zum einen durch die persönliche Beobachtung (Erfassung von Bewußtseinslage und Schmerzen) und zum anderen durch moderne Überwachungsgeräte (Monitore) zur Erfassung von Funktionswerten der lebensnotwendigen Organe (Herz-Kreislaufsystem, Atmung, Körpertemperatur u.a.). Außerdem werden regelmäßig Laborwerte bestimmt.

Häufig angewandte Behandlungsmethoden beinhalten die kontinuierliche pumpengesteuerte Medikamentengabe, Infusion/Transfusion, Beatmung, künstliche Ernährung, Herzschrittmachertherapie und Blutwäsche

Notfallmedizin:

Die Forderung, daß der Arzt zum Notfallpatienten zu bringen sei, wurde bereits 1938 von dem Chirurgen M. Kirschner formuliert. Bis zur Etablierung unseres modernen Notarztsystems in Deutschland verging jedoch noch eine lange Zeit.

Die Aufgabe der Notfallmedizin liegt darin, akut lebensgefährlich erkrankte oder verletzte Patienten aus der Lebensgefahr zu bringen, vor einer weiteren Schädigung zu schützen und nach Herstellung der Transportfähigkeit unter laufender Kontrolle der lebenswichtigen Organfuktionen möglichst rasch zur Weiterversorgung in ein geeignetes Krankenhaus zu bringen. Die Notfallmedizin beinhaltet damit die Durchführung intensivmedizinischer Maßnahmen bereits am Notfallort unter meist erschwerten Bedingungen.